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Wolkiges

Wie es ist, Vater zu werden

Zitat aus dem Duden:

sich [nur] im Gedanklichen, Theoretischen bewegend [und keinen unmittelbar feststellbaren Bezug zur Wirklichkeit habend]

Nun wird man diese Definition nicht im Duden finden, wenn man nach “Wie ist es, Vater zu werden” sucht. Wonach man suchen muss? Abstrakt.

Ja, ihr habt richtig gelesen: Abstrakt. Während die Frau die verschiedensten Veränderungen mitbekommt, merkt man als Mann quasi gar nichts. Und selbst wenn dann der Bauch zu sehen ist und auch die ersten Tritte für den Mann spürbar werden, bleibt es abstrakt. Doch eins nach dem anderen; fangen wir von vorne an:

Wenn man bewusst die Verhütung einstellt, weiß Mann eigentlich was einen erwarten kann, wenn die Frau bei ausbleibender Regel und leichten Unterleibsschmerzen zum Frauenarzt geht. Als mir das Ultraschallbild vor die Nase gehalten wurde, wusste ich dennoch nicht, was ich davon halten soll. Es ging so schnell. Bereits nach zwei Monaten war da ein Krissel-Klecks zu sehen. Manche Paare versuchen es ewig und bei uns war es schon passiert. Ich konnte nicht mehr als den Kopf schütteln und sagen: “Du machst sachen!” Ja, ich weiß… ich bin auch mit verantwortlich. Aber in dem Moment fiel mir nichts besseres ein.

Was nun? Keine Ahnung. Ich lese gerne über die verschiedensten gesundheitlichen Dinge im Internet (was meiner leichten hypochondrischen Angststörung nicht unbedingt hilft). Doch jetzt konnte ich ja über das Leben und wie es sich entwickelt lesen. In den ersten Wochen herrschte eine leichte Euphorie gepaart mit Interesse am neuen. Richtig begreifen konnte ich es jedoch nicht. Die schönsten Momente in den ersten Monaten waren die, in denen wir unseren Mitmenschen die frohe Botschaft mitteilten. Viele freuten sich mit uns, doch gab es auch einige denen man ansah: “Äh, was soll ich damit anfangen?”

Im Internet habe ich natürlich auch viel darüber gelesen, wie sich die werdenden Väter verhalten und wie sie reagieren. Nirgends fand ich mich so richtig wieder und manche Verhaltensformen machten mir sogar Angst. Das ließ mich mitunter auch ein wenig an mir zweifeln: Ich wollte doch immer Kinder. Und nun, da eins unterwegs ist, regt sich nicht viel in mir?

Selbst als der erste richtige Ultraschall auf dem Plan stand und ich erstmal den Nachwuchs richtig sehen konnte, man die ersten Gliedmaßen erkennen konnte, hat sich bei mir nicht viel getan. Alles war irgendwie immernoch so normal und un-anders wie bisher. Mein Leben verlief weiterhin wie gehabt. Vielleicht wäre es anders gewesen, wenn meine Freundin mehr Beschwerden in den ersten Monaten gehabt hätte. Doch auch hier verlief es glücklicherweise entspannt.

So langsam wurde dann der Bauch dicker und meine Freundin fing an den Nachwuchs zu spüren. Und ich? Natürlich nichts. Die Außenwelt ist da erstmal noch unbeteiligt. Immer wieder sollte ich meine Hand auflegen und spüren, doch mit mal zu mal nervte es mich immer mehr an, nichts zu spüren, so dass ich dann das erste mal als Atmen meiner Freundin interpretierte. Crazy, was? :D Irgendwann bemerkte ich den kleinen Racker dann doch und es war, nun ja… sagen wir mal: Es war interessant.

Mittlerweile spürt und vor allem sieht man den Sprössling bei seinen Tritt-Eskapaden. Ihn zu sehen macht es jedoch nicht unbedingt besser, errinert es doch zu sehr an Alien. Könnte ich es mehr genießen, wenn ich die Filme nicht kennen würde?

Wie der aufmerksame Leser bisher mitbekommen hat, war das Vater werden bei mir bis zu diesen Zeilen nicht gerade faszinierend oder toll. Irgendwie blieb alles beim Alten und der Bezug zum Ungeborenen war einfach nicht richtig gegeben. Etwas beruhigung im Hinsicht auf meine Gefühle und mein Verhalten verschaffte mir ein Bekannter, der in diesen Tagen Vater wird. Ihm erging es im Endeffekt genauso. Also war ich doch nicht so merkwürdig wie ich befürchtete.

Mittlerweile sind es noch rund 64 Tage bis zum großen Ereignis. Hat sich etwas geändert? Ein wenig. Vor zwei Wochen war das erste CTG und wir konnten zum ersten Mal die Herztöne des kleinen Menschleins hören. Und das hat mich dann doch berührt und mir die Tränen in die Augen getrieben. Habe die Töne aufgezeichnet und halte sie voller Stolz jedem ans Ohr der mir über den Weg läuft. Zwar fühle ich mich immer noch nicht so richtig als werdender Vater, aber das wird kommen. So oder so. Spätestens in ~64 Tagen.

Und beim nächsten Mal berichte ich von meinen Erfahrungen beim ersten Partnerabend des Geburtsovrbereitungskurses.

So long…


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